Einer der “verschwundenen” jungen Krimtataren ist tot

asamov

 

2014/10/06 • Deutsch, Krim

Article by: Halya Coynash

Der 25 Jahre alte Krimtatare Edem Asanow wurde in einem verlassenen Sanatorium in Jewpatorija tot aufgefunden, nachdem er seit dem 29. September “verschwunden” war. Edem Asanow war nicht politisch aktiv, und nach Aussage seiner Schwester ein ruhiger junger Mann, der Konflikten aus dem Weg ging.

Es gibt noch keine Informationen darüber, wie der junge Mann starb, obwohl natürliche Ursachen ausgeschlossen werden können. Edem Asanows Beerdigung findet am Dienstag statt.

Insgesamt wurden seit dem 27. September vier Entführungen oder “Verschwindenlassen” bekannt.

Am frühen Abend des 27. September wurden zwei junge Krimtataren aus Sarij-Su bei Bilohirsk (Belogorsk) auf der Krim entführt. Der 19-jährige Islam Dschepparow und sein 23-jähriger Cousin Dschewdet Islamow wurden in einen dunkelblauen Volkswagen-Transporter gezwungen einzusteigen und in der Richtung von Feodossija weggebracht.

Die Behauptungen der Polizei und des FSB [russischen Sicherheitsdiensts], dass sie nichts über die Entführung wissen, stoßen auf Skepsis, die durch ihr Versagen verschärft wird, die jungen Männer trotz aller Details, einschließlich der Autonummer des Kleinbusses, aufzufinden.

Hunderte von Krimtataren versammelten sich am nächsten Tag außerhalb des Elternhauses von Islam Dschepparow. Islams Vater Abdureschit Dschepparow traf am 1. Oktober den Chef der Besatzungsregierung, Sergej Aksjonow. Abdureschit Dschepparow sagt, dass alles getan wurde, um die zu Krimtataren zu Vergeltungsschlägen zu provozieren. “Auf den Dächern rund um das Gebäude, wo das Treffen stattfand, waren jede Menge Scharfschützen postiert, man sah Jeeps mit Männern mit Maschinengewehren, und in der ganzen Stadt gab es eine Menge von Soldaten.”

Edem Asanow

Edem Asanow

Zwei Tage nach der Entführung dieser beiden jungen Krimtataren machte sich der 25-jährige Edem Asanow am Montag, 29. September auf den Weg zu seiner Arbeitsstelle im Prymorije-Sanatorium in Jewpatorija. Er kam dort nicht an – und jetzt wissen wir den Grund.

 

 

 

Eskender Apselymow

Eskender Apselymow

 

Der 23-jährige Krimtatare Eskender Apselymow wird seit dem 3. Oktober vermisst, nachdem er seine Wohnung in Simferopol auf dem Weg zur Arbeit verlassen hatte. Er kam dort nicht an, und sein Telefon gibt keine Antwort. Schewket Namatullajew, ein Journalist auf der Krim, hat die Information verbreitet, wie der junge Mann gekleidet war, sowie eine Anfrage von seinen Eltern mit der Bitte sie anzurufen, wenn jemand etwas weiß.

Es wird immer schwieriger, in diesen Fällen von Entführungen oder “Verschwindenlassen” noch Hoffnung zu haben. Sie geschahen gleichzeitig mit einer Großoffensive gegen den Medschlis des Krimtatarischen Volkes (der Repräsentativkörperschaft der Krimtataren und Muslimen auf der Krim). Der prominente Krimtatarenführer Mustafa Dschemiljew spricht von 18 Fällen von “Verschwindenlassen” von Krimtataren, seit Russlands Invasion und Annexion der Krim im März dieses Jahres.

Der Vorsitzende des Medschlis (der Volksversammlungs des krimtatarischen Volks), Refat Tschubarow, erinnert an die von Memorial zum Nordkaukasus geschrieben relevanten erschreckenden Berichte. “Entführungen werden sowohl von Mitarbeitern der lokalen als auch Bundespolizeidienststellen ausgeführt. Eine Anzahl der Entführungen finden nach dem klassischen “tschetschenischen” Szenario statt: Bewaffnete Männer in Masken brechen in ein Haus ein und nehmen die Person mit, nach der sie suchen. Doch viele Entführungen werden sehr “professionell” durchgeführt: Eine Person verlässt seine Wohnung und kehrt nicht zurück, und später wird sie ermordet aufgefunden.”

Der mutmaßliche Ermordung von Edem Asanow, die Entführung von zwei jungen Krimtataren und das “Verschwindenlassen” eines vierten jungen Mannes gleichen Alters – und dies vor dem Hintergrund aller anderen repressiven Maßnahmen, kann nur den Verdacht verstärken, dass die Marionettenregierung der Krim und diejenigen, die in Moskau die Fäden ziehen, die Krimtataren einschüchtern und zwingen wollen, ihre Heimat zu verlassen.

Translated by: Klaus H. Walter
Edited by: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch
Source: Charkiwer Menschenrechtsgruppe

Tags: , ,