Oleh Senzows Rede gestern im Gerichtssaal

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2014/09/30 • Deutsch, Krim, Russland

Article by: Oleh Senzow

Oleh Senzow am 29.9. im Gerichtssaal

Oleh Senzow am 29.9. im Gerichtssaal

Ich weiß nicht, ob die Staatsduma ein Gesetz verabschiedet hat, das Lachen im Zirkus verbietet. Sie kann es tun. Aber ich kann nicht verstehen, warum Sie alle das, was hier passiert, ernst nehmen. Das ist ein Spektakel. Ich werde zum wiederholten Male meine Unschuld nicht beteuern, nicht sagen, dass das alles falsifiziert und politisch begründet ist, dass man mir gegenüber bestimmte Einwirkungsmaßnahmen angewendet hat. Darüber habe ich schon gesprochen, es gibt nichts zu wiederholen.

Das Ermittlungsverfahren läuft gut, es gibt schon 18 Akten, die Ermittler arbeiten brav, bin sehr froh für sie. Aus den neuesten Erkenntnissen, die da durchschlüpfen: Ich wollte eine Rakete mit radioaktivem Inhalt auf Krims Staatsrat werfen. Ich warte ungeduldig auf die Entdeckung dieser Rakete, Photos von mir mit ihr im Hintergrund und meine Fingerabdrücke auf ihrer Oberfläche. Ich meine, damit alles auch schön aussieht.

Die Ermittler, die Gesetzdiener, beschäftigen sich mit so einem Hirngespinst, können aber vier Monate lang keine Polizisten finden, die ich angezeigt habe, weil sie mich gefoltert, gedemütigt und geschlagen hatten. Die hier anwesenden Ermittler kennen sie alle vom Gesicht, aber es ist unmöglich, sie zu finden, denn das wäre wie sich selbst zu fangen – das gibt es nicht. Mit dem gleichen Erfolg kann man ins Klo schauen und fragen: „Wer hat den Senzow gefoltert?“- es wird keine Antwort geben.

Darum braucht man gar nicht die Zeit darauf zu verschwenden, wie man auch die Zeit nicht darauf verschwenden muss, die Fragen zu beantworten, was Pskower Fallschirmspringer in der Nähe von Donezk gemacht haben und wofür sie dort gestorben sind. Die Pskower Fallschirmspringer, die Ihr Land in aller Heimlichkeit nun beerdigt.

Ich weiß nicht, was sie, die Staatsbeamten, über dieses System denken, das auf so einer totalen Lüge aufgebaut ist, ob sie denken, dass es ewig hält. Sogar ihre Vorgesetzten, die noch immer am Deck des untergehenden Schiffes herumlaufen und so tun, als ob alles in Ordnung wäre, verstehen nicht, dass es langsam aber sicher absackt. Darum kann ich Russland nur wünschen, aus dieser Finsternis schnellstmöglich herauszukommen und endlich frei zu werden. Und alle, deren Gewissen unrein ist, können ja anfangen zu lernen, wie man das Wort „Lustration“ richtig schreibt. Ich bin fertig.“

(Übersetzt von Irina Schlegel)

Translated by: Irina Schlegel
Edited by: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch
Source: Grani

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