Jünger von Dugins Eurasischer Union bilden eine Potemkinsche militante Division von “Tataren”

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2014/09/11 • Deutsch

Tscholchanow mit dem Leiter der Jungen Eurasier, Jurij Kofner

Die russischen Versuche, Tanai Tscholchanow als einen Krimtataren darzustellen, der den “Faschismus” an der Seite der vom Kreml unterstützten Militanten bekämpft, stehen vor zwei unüberwindlichen Hürden: die faschistische Ideologie seines Mentors Alexandr Dugin, und die Tatsache, dass er selber gar kein Krimtatare ist.

Interfax berichtete kürzlich, “eine bekannte krimtatarische zivile und religiöse Persönlichkeit und Vertreter des Tauridischen Muftiats” habe eine Armee-Division auf der Seite der vom Kreml unterstützten Militanten in Luhansk gebildet, hat erhebliche Verwunderung verursacht.

Unterstützer des russischen faschistischen Ideologen Alexander Dugin unter den Militanten sind nichts Neues, und Tanai Tscholchanows enge Verbindungen zu der Eurasischen Jugendunion machen ihn zu einem aussichtsreichen Kandidaten. Allerdings machen sie ihn noch nicht zu einem Krimtataren, und auch nicht zu einer bekannten religiösen Persönlichkeit, und all dies schürt nur den Verdacht über das sogenannte Tauridische Muftiat.

Es gibt triftige Gründe für die Annahme, dass mit der Schaffung dieses Muftiats im August ein Schisma (Spaltung) unter den Muslimen auf der Krim geschaffen und die Schwächung der Medschlis der Krimtataren (Volksversammlung) erreicht werden soll,  deren Anführer Mustafa Dschemiljew und Refat Tschubarow – von der Krim verbannt wurden.

Der Grund ist klar: Die Krimtataren und die Medschlis, die die überwiegende Mehrheit von ihnen repräsentiert, haben sich eindeutig gegen die russische Annexion ihrer Heimat gewandt. Als Reaktion auf die repressiven Maßnahmen des Besatzungsregimes nach dem russischen Einmarsch hat die Medschlis alle Krimtataren aufgerufen, die Wahlen im September zu boykottieren.

Von Anfang an suchte das Besatzungsregime nach Freunden unter Randgruppen wie der nationalistischen Milli Firka. Der Vorsitzende dieser Partei, Waswi Abdurajmow, erlangte traurige Berühmtheit zur Zeit des russischen Kriegs mit Georgien im Jahr 2008, als er in einem Brief an die russische Führung bat, “die indigenen Völker der Krim in Schutz zu nehmen” vor den “Nationalisten” in Kyiw.

Das war Musik in den Ohren des russischen Präsidenten Wladimir Putin, und seit April 2014 ist Abdurajmow Putins Stellvertretender Vertreter auf der Krim.

Tanai Tscholchanow und Abdurajmov sind beide nicht nur Mitglieder von Milli Firka, sondern auch der Jungen Eurasier, einem Zweig von Dugins Eurasischer Jugendunion.

Tscholchanow ist jedoch ein Wolgatatare, der erst unter der russischen Besatzung auf der Krim auftauchte. Vor dem März 2014 war die wichtigste Erwähnung dieses angeblichen “bekannten Krimtataren” im Oktober 2013, als er und einige Kameraden von den christlich-orthodoxen Jungen Eurasiern bei dem Versuch beteiligt waren, eine LGBT-Kundgebung in Sankt Petersburg zu stören. Die Behauptung, dass Tscholchanow ist in Wirklichkeit ein Russe namens Jura Saposchnikow sei, kann nicht bestätigt oder widerlegt werden. Seit dem Jahr 2013 ist Tscholchanow nun aber richtig aktiv und genießt die dubiose Unterstützung von notorischen Islamophoben mit interessanten Verbindungen zu russischen Sicherheitsdienst wie Roman Silantjew.

Nachdem sie festgestellt haben dass Krimtataren nur vereinzelt bereit sind, die Besatzung zu akzeptieren, scheint sich Russland jetzt an der Wolga auf der Suche nach Tataren gemacht zu haben, und wer kann besser sein als einer, der Dugins semi-mystische Ideologie von einem eurasischen Imperium vertritt, der Berichten zufolge nicht abgeneigt ist, der Polizei bei der Belästigung von Muslimen zu helfen?

Nach Angaben von Arsen Schumadilow vom Institut für Strategische Studien der Krim könnte die beharrliche Auffassung Tscholchanows, dass alle Tataren eine einzigen Nation bilden, durchaus zu einer von Moskau gepushten Politiklinie werden, dem der Widerstand der Krimtataren gegen die Annexion unbequem geworden ist. Tscholchanows Ansicht der Realität lautet: “Alle islamischen Gruppen, deren Schriften[auslegung] des Islam sich von der offiziellen russischen Ansicht unterscheidet, werden als Extremisten angesehen, die für Terrorismus anfällig sind.” Schumadilow weist darauf hin, dass auch die der Medschlis nahestehende Geistliche Direktion für die Muslime der Krim darunter falle. “Der Wert eines Muslim darf nicht in Bezug auf seine religiöse Strenge eingeschätzt werden sondern in Bezug auf seine Loyalität zum Kreml. Dazu gehört auch die aktive Beteiligung am Ukraine-Russland-Krieg im Donbas auf der Seite der von Russland unterstützen Kräfte.”

Die Betätigung Tscholchanows auf der Krim nach der Invasion durch Russland geht ziemlich deutlich aus einem Bericht mit dem folgende Titel hervor: Die Medschlis ist eine “absolut anti-russische, und noch wichtiger anti-tatarische Einrichtung”. Tscholchanow, kam, wie wir erfahren, einen Monat vor dem “Referendum” vom 16. März [auf die Krim] und “sah mit eigenen Augen, wie die moderne Geschichte von Eurasien erschaffen wurde”. Er hat dabei aber offensichtlich nicht nur zugesehen, sondern nahm auch aktiv an Kämpfen teil, weil “Provokateure die Feindschaft zwischen Tataren und Russen verbreiteten”.

Jetzt wird uns gesagt, der Krieg sei über den Donbas hereingefallen, und die “Führer der Junta und die nationalen Verräter, die man sich nicht Kinder des Tatarenvolkes zu nennen getraut, schreien laut, dass die Krimtataren die Aufständischen im Südosten und Russland als Ganzes als ihren Feind ansehen.”

Es gibt zahlreiche Berichte über Repressalien gegen Krimtataren unter der Besatzung. Es gibt darüber hinaus ein Freiwilligen-Bataillon der Krimtataren neben der ukrainischen Armee in den Kämpfen im Donbas.

Und hier kommt wieder Tscholchanow als Retter mit einer “internationalen Gruppe von Freiwilligen”, oder wie er zu Interfax sagte, “eine Armeeeinheit” im Donbas. Diese Armeeeinheit, so behauptet er, sei in die vom Führer der selbsternannten Volksrepublik Luhansk, Alexej Mostowoj, geführten Division eingegliedert. Es werde Militärkorrespondenten geben, um sicherzustellen, dass “die Wahrheit” berichtet wird, wie das die Agentur “Anna-News” in Donezk macht. Deren Verhältnis zur Wahrheit ist Ansichtssache, auch wenn der Religions-Korrespondent von Interfax keine der Aussagen Tscholchanows in Frage stellt.

Ganz im Gegenteil. Wir erfahren, dass der “berühmte Islamwissenschaftler Roman Silentjew” (siehe oben) den Wunsch äußerte, dass es ”mehr solche Imame und Krimtataren im Allgemeinen geben sollte”.

“Tanai Tscholchanow tut mehr für die inter-ethnische Bevölkerung als 50 Konferenzen zu diesem Thema. Jetzt können wir Russen die Argumente liefern, dass bei weitem nicht alle Krimtataren den Faschismus unterstützen.”

Die Mehrheit der Krimtataren tut dies sicher nicht. Dies ist weit weniger offensichtlich im Fall von Tscholchanow und von vielen der von den Führern im Kreml unterstützten Militanten und anderen Anhängern von Dugins gestörtem und neo-faschistischen eurasischen Imperialismus.
Quelle: Halya Coynash – Charkiwer Menschenrechsgruppe
übersetzt von Euromaidan Press auf Deusch

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