Roman Burko. Der terroristische Krieg Russlands gegen die Ukraine

Karta07

 

2014/09/08 • Deutsch, Nachrichten

Stand: 7. September 2014
Von Roman Burko (Informnapalm)
Übersetzt aus dem Russischen von Irina Schlegel

Dritter Tag der “Waffenruhe” Entweder haben die Vertreter von DVR und LVR nicht gehört, dass eine Waffenruhe geplant war, oder sie verschmähen ihre politischen Vorgesetzten, denn die Kämpfe um den Flughafen von Donezk werden immer weitergeführt. Und dabei, trotz des Schweigens der schweren Artillerie der ukrainischen Armee, wird diese von den Terroristen auf Hochtouren angewendet. So wird aus der Richtung der chemisch-reaktiven Fabrik in Donezk ununterbrochen mit Grad [A.d.Ü.: Nachfolgemodell der „Stalinorgeln“ bzw. „Katjuscha“-Mehrfachraketenwerfer] in Richtung Flughafen geschossen. In den letzten Tagen war es dem Gegner möglich, seine Technik für das weitere Vorgehen vorzubereiten. So, nach dem erfolgreichen Vormarsch in Richtung Donezk-Karlowka, wurden unsere Kräfte genötigt, Pesok zu verlassen. Dieser Fakt ist schon längst bekannt, aber wir haben es erwähnt, damit alle verstehen, warum der Gegner im Stande war, einen Teil seiner Kräfte aus Donezk zu nehmen und es auf die südliche Richtung zu verlegen (Elenovka-Olginka). Höchstwahrscheinlich wird ein Ansprung auf Mariupol vom Norden aus (Elenowka-Nowotroizkoje-Wolnowacha-Mariupol) und auf Ugledar vorbereitet. Der erste Weg ist logischer, denn es erlaubt, den Ring um den Dokutschajewsk zu schliessen. Der zweite Weg ist auch wenn wahrscheinlich, für seine Verwirklichung hat der Gegner aber vermutlich noch keine Mittel.

Wir haben bereits einmal geschrieben, dass die Amrosijewskaja Gruppierung der ATO nicht eingekesselt genannt werden darf, so ist es auch geschehen. Gestern wurden die Bewohner von Telmanowo angenehm oder unangenehm (wie man es sieht) überrascht, als sich die Ortschaft in den Händen der ATO wiedergefunden hat. Weil so eine Armeegruppe schwierig zu halten und zu kontrollieren ist, war die Freude der Söldner und Russland nämlich vorzeitig gewesen. Jetzt ist alles abhängig davon, ob die Söldner die Zivilistengegenden im Falle der Besetzung der Städte durch die ATO Kräfte beschiessen werden. Obwohl die Antwort auf der Oberfläche liegt, haben sie aber auch schon früher schamlos auf die Zivilisten geschossen, ausschliesslich um zu provozieren, also jetzt auch – wie die Karte fällt…

Mariupol. Nachdem sie eine würdige Abfuhr in der Gegend von Schirokino bekommen haben, sind die russischen Kräfte zurück nach Novoasowsk gerollt, wo sie sich nach der Niederlage wieder besonnen und eine Umgruppierung gestartet haben. Jetzt wird der Beschuss von Mariupol aus der östlichen Richtung weitergeführt. Faktisch gesehen sind die Saboteurgruppen des Gegners auf dem ganzen südlichen Territorium des Donezker Gebiets aktiv, und auch entlang der E58 Strecke, was die Versorgung der Mariupoler Armeeabteilung erschwert.

Zu erwähnen ist auch, dass die Einheimischen, die in der Nähe von Nowoasowsk wohnen, von einem Versuch der regulären russischen Armeevertretern berichten, Panik bei der Zivilbevölkerung auszulösen. Die Russen verbreiten Gerüchte, dass sie die Aufgabe haben, bis Donnerstag bis zum Saporoschje durchzukommen. Diese Prahlerei kann man eher als ein Element der psychologischen Kriegsführung wahrnehmen, als eine reale Bedrohung, aber die Bevölkerung wird damit schon unter bestimmten Druck gestellt.

Norden. Was Gorlowka angeht, so ist da vergleichbarweise ruhig. Die Terroristen führen den Beschuss von Dserschinsk weiter, schiessen in die süd-östliche Richtung, höchstwahrscheinlich Schdanowka, und auch in die süd-westliche (Panteleimonovka). Wenn man die verdächtige Aktivität der Söldner am westlichen Rand in Betracht zieht, kann man eine Marschvorbereitung auf Dserschinsk erwarten. Debalzevo ist noch immer gefährdet, besonders wenn man auch in Altschewsk (und da war doch eigentlich ruhig) und Perevalsk eine verdächtige Terroristenaktivität in Betracht zieht. Ausserdem ruft auch Brjanka den einen oder anderen Verdacht auf. Wie wir schon mal geschrieben haben, gerade in Brjanka wurde eine grosse Gruppierung der Söldner angehäuft. Es wurde auch eine Militärtechnikkolonne in Richtung Schachtersk-Sugress gesichtet, mit ihrer Anhäufung in der Gegend von Gornij und Zuewka, was auf eine Angriffsvorbereitung aus der südlichen Richtung hindeutet. Darum bleibt die Frage “Debalzevo” noch immer offen.

Osten. Den Söldnern ist es gelungen, sich am rechten Ufer des Severskij Donez festzusetzen, was von uns früher als das ungünstigste Szenario beschrieben wurde. Jetzt ist zwischen der ATO und den Terroristen ein ernstzunehmendes Wasserhindernis, das keine Möglichkeit zulässt, auf die rechte Flanke der Terroristen zuzuschlagen. Auf der anderen Seite, genau dieses Hindernis macht es für die Terroristen unmöglich, ins Hinterland der ATO zu kommen, das sich im Stschastje befindet. Ungeachtet der “Waffenruhe” wird der Artilleriebeschuss von Stschastje weitergeführt, und die Saboteurgruppen der Terroristen sind im Hinterland unserer Armee aktiv.

Panorama des „Sewerski Donez“ – ein so breiter und tiefer Fluss ist ein Panzerhindernis und Hindernis für einen weiteren Vormarsch.

Panorama des „Sewerski Donez“ – ein so breiter und tiefer Fluss ist ein Panzerhindernis und Hindernis für einen weiteren Vormarsch.

 

Weltarena. Auf der Weltarena ist nach Ergebnissen der letzten 24 Stunden eine Welle der “Absager” zu verzeichnen. So haben die USA, Frankreich, Italien, Polen und Norwegen eins nach dem anderen die Behauptung des Präsidentenberaters Yuri Luzenko über die Waffenlieferungen in die Ukraine zurückgewiesen. Eins von beidem: entweder ist es ein Versuch gute Miene zum bösen Spiel zu machen und der Berater war in alle Feinheiten der Weltdiplomatie einfach nicht eingeweiht, oder alles ist tatsächlich so schlimm, dass niemand uns Unterstützung verspricht, weder formal, erst recht noch informell. Auf jeden Fall sollten wir uns eine Regel hinter die Ohren schreiben: “Hilf’ Dir selbst, dann hilft Dir der Gott”. Dasselbe gilt für Hoffnungen, die man in die Weltgemeinschaft setzt. Es ist offensichtlich, dass jeder Staat seine eigenen Ziele verfolgt, und kaum jemand in eine offene Auseinandersetzung mit dem Aggressor treten möchte, der die Ukraine terrorisiert. Hier möchte man die gängige Äusserung umschreiben, die dem Napoleon zugeschrieben wird, über das Volk und die Armee: wenn Europa die ukrainische Armee nicht “füttern” möchte, wird es bald die russische füttern müssen…

Die Präsidenten von Polen und den Vereinigten Staaten - Bronislaw Komorowski und Barack Obama

Die Präsidenten von Polen und den Vereinigten Staaten – Bronislaw Komorowski und Barack Obama

Geistiges: In den letzten Tagen ist uns die Erklärung des Kiewer und Rus-Ukrainischen Patriarchs Filaret interessant erschienen, der sagte, dass unter der Weltführern ein echter neuer Kain erschienen ist, und dass in den Russlands Präsidenten Wladimir Putin der Teufel selbst eingezogen ist. Diese Worte sollte man nicht als einen weiteren pathetischen Ausdruck wahrnehmen. Filaret ist ein scharfsichtiger Mann, und ist nicht dazu geneigt, mit solchen Anschuldigungen um sich zu werfen, darum sollte man es ernst nehmen. Warum wir das vor dem Hintergrund der pragmatischen Prognosen und der analytischen Zusammenfassung ansprechen?

[A.d.Red.: so unverständlich diese Argumentation für uns sein mag – Russland spielt schon seit einiger Zeit rücksichtslos die religiöse Karte: Zwischen dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. und Putin passt kein Blatt, und Kyrill gibt sich für jede relgiöse Bemäntelung Putin’scher Politik her. Genau dagegen haben aucb Pussy Riot mit ihrem Punkgebet protestiert. Auch Terroristenführer Girkin-Strelkow hat die religiöse Symbolik ausgereizt: die angebliche Bewachung einer aus Griechenland für die Ukraine bestimmten Reliquie mit entsprechenden Befehlen, „wir sind eine orthodoxe Armee“, Fahnenweihen in der Kirche und öffentliches Abküssen der angeblich wieder in Russland befindlichen und angeblich nach Donezk verbrachten berühmten Ikone der Gottesmutter von Tichwin. Filarets Statement wirkt wie die Antwort darauf.]

Vorschau des Antichristen in alten Italienischen Fresken aus dem 14. Jahrhundert

Vorschau des Antichristen in alten Italienischen Fresken aus dem 14. Jahrhundert

 

Spürt Ihr denn nicht, wie sich die Welt um Euch herum verändert, und außer der horizontalen materialistischen Wahrnehmung immer öfter die geistige Vertikale auf die umgebenden Prozesse Einfluss gewinnt? Hier ist noch nicht mal die Frage des Glaubens oder der Religion, aber des Wissens, dass es ohne einen Gedanken auch kein Handeln gibt, und somit sind die Gedanken immer auch materiell… Verwirklicht Eure Gedanken an den Sieg und wir werden siegen! Slava Ukraine!”

Quelle: informnapalm
Wir danken für die freundliche Erlaubnis zur Übernahme.

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