Münsteraner Erklärung von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. (DGO) zur Annexion der Krim durch die Russländische Föderation

2014/04/08 • Deutsch

Quelle: https://drive.google.com/file/d/0B6z287ckIQd-Z3JzX29PQ2s2eVU/edit?usp=sharing (via eMail)

Münsteraner Erklärung von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. (DGO) zur Annexion der Krim durch die Russländische Föderation

Die DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR OSTEUROPAKUNDE, gegründet 1913 als Deutsche Gesellschaft zum Studium Russlands, hat auf ihrer Jahrestagung am 3. April 2014 in Münster die Ereignisse in der Ukraine zwischen November 2013 und Ende März 2014 erörtert. Die unterzeichnenden Mitglieder der DGO halten dazu fest:

– Die Proteste auf dem Kiewer Majdan und in vielen anderen Städten der Ukraine aus Anlass der verweigerten Ratifizierung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union richteten sich in erster Linie gegen das Regime von Präsident Janukowytsch, das für systematische Korruption und Rechtlosigkeit in der Ukraine verantwortlich gemacht wurde. Die Sicherheitskräfte des Regimes tragen wesentliche Verantwortung für die gewaltsame Eskalation des Konflikts.

– Das mit Berufung auf die Ereignisse auf dem Majdan durchgesetzte Referendum auf der Krim über den Austritt der Autonomen Republik aus dem ukrainischen Staatsverband und der Beitritt zur Russländischen Föderation sind illegal.

– Die Russländische Föderation hat durch eine militärische Invasion auf der Krim die territoriale Integrität der Ukraine wie auch das Gewaltverbot der Vereinten Nationen verletzt. Alle Regelwerke einer neuen europäischen Architektur, an denen Russland intensiv mitgearbeitet hat, werden in Frage gestellt. Der damit angestoßene Revisionismus stellt eine Bedrohung von Sicherheit und Frieden auf dem Kontinent dar.

Die Unterzeichnenden schließen sich der Forderung der Vollversammlung der Vereinten Nationen an, die russische Annexion der Krim nicht anzuerkennen. Wir rufen gleichzeitig dazu auf, nicht in eine neue Sprachlosigkeit zu verfallen, sondern alle Kontakte in Wissenschaft und Kultur mit Russland und der Ukraine fortzusetzen und zu intensivieren. Unser Ziel ist es, zu einem gemeinsamen Werteverständnis in Europa zu kommen.

Erstunterzeichner:

  • Ruprecht Polenz, Präsident der DGO
  • Prof. Dr. Wolfgang Eichwede, Vizepräsident der DGO
  • Prof. Dr. Thomas Bremer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGO
  • Prof. Dr. Jan Kusber, Mitglied des Vorstands der DGO
  • Prof. Dr. Birgit Menzel, Mitglied des Vorstands der DGO
  • Prof. Dr. Stefan Troebst, Mitglied des Vorstands der DGO
  • Dr. Gabriele Freitag, Geschäftsführerin der DGO
  • Dr. Manfred Sapper, Chefredakteur der Zeitschrift OSTEUROPA der DGO
  • Dr. Volker Weichsel, Redakteur der Zeitschrift OSTEUROPA der DGO
  • Prof. Dr. Alfred Sproede, Mitglied der DGO
  • Prof. Dr. Hans-Henning Schröder, Mitglied der DGO
  • Dr. Benno Ennker, Mitglied der DGO

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    Durch das völkerrechtswidrige Vorgehen der Staatsführung der Russischen Föderation könnte der Eindruck entstehen, dass die gesamte russische Bevölkerung damit einverstanden wäre. Doch diesem möglichen Irrtum ist auf sichere Weise zu entgehen, indem man sich die Menschenrechtslage in Russland betrachtet. Auf zwischenmenschlicher Ebene halte ich es für sinnvoll und fair, sich gegenüber russischen StaatsbürgerInnen frei von Vorurteilen zu halten.