Janukowytsch, Wiktor Fedorowytsch

2014/02/16 • Deutsch

Präsident der Ukraine, Ehrenvorsitzender der Partei der Regionen

Geboren: 09.07.1950

Geburtsort und Ausbildung: Geboren in Jenakijewe (Region Donezk), Sohn eines Arbeiters. Abschluss des Polytechnischen Institut Donezk (als Maschinenbauingenieur) und der Ukrainischen Außenhandelsakademie. Magister für internationales Recht.

Die Jugendsünden: zweimal vorbestraft – für Raub (im 1967) und mittelschwere  Körperverletzung (im 1970). Offiziell heisst es, dass sein Vorstrafenregister längst verfallen ist, wenngleich Janukowytsch Medien zufolge selbst in seiner vor der ersten Berufung zum Ministerpräsidenten der Ukraine verfassten Autobiografie auf die Vorstrafen Bezug nimmt.

Karriere: seine Arbeitstätigkeit begann im Jahr 1969. Er arbeitete als Gasinstallateur bei den Stahlwerken Jenakijewe, danach als Automechaniker und Mechaniker eines Fuhrparks.

20 Jahre lang bekleidete er Führungspositionen – als Generaldirektor der Produktionsvereinigungen der Transportfirmen Donbasstransremont, Ukruglepromtrans und der Donezker Oblast-Vereinigung für Automobilverkehr.

Im August 1996 wurde Janukowytsch zum stellvertretenden Vorsitzenden und einen Monat später zum ersten stellvertretenden Leiter der staatlichen Regionalverwaltung Donezk ernannt. Von Mai 1997 bis November 2002 diente er als Gouverneur der Donezker Region. Er war Abgeordneter des Regionalrates Donezk. Von Mai 1999 bis Mai 2001 war Janukowytsch außerdem Vorsitzender des Regionalrates.

Am 21. November 2002 wurde Janukowytsch vom damaligen ukrainischen Präsidenten Kutschma zum Ministerpräsidenten ernannt. Im April 2003 wurde der Ex-Gouverneur als Vorsitzender der Partei der Regionen gewählt. Im Juli 2004, während seiner Amtszeit als Ministerpräsident, wurde er von seinen Parteigenossen zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen nominiert. Nach Schätzung von Experten und Beobachtern verlief die Wahlkampagne Janukowytschs mit Hilfe finanzieller Unterstützung durch Sponsoren und Verwendung von berüchtigten administrativen Ressourcen. Trotz dieser Tatsache sowie der hohen Popularität von Janukowytsch in den östlichen und südlichen Regionen gelang es ihm jedoch nicht, den Oppositionskandidaten Wiktor Juschtschenko zu besiegen.

Nach seiner Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen tauchte Janukowytsch für über ein halbes Jahr “in die Versenkung”, was dazu führte, dass einige Experten über seinen möglichen Rücktritt als Vorsitzender der PdR (Partei der Regionen) sowie völligen Zusammenbruch seiner politischen Karriere spekulierten. Nichtsdestotrotz entschieden sich die einflussreichsten PdR-Politiker ihren Kandidaten  nicht auszuwechseln. Im Frühjahr 2006 erhält die Partei der Regionen mit Janukowytsch an der Spitze die meisten Stimmen bei der Wahl in die Werchowna Rada (das Parlament), und in einer Koalition mit der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei verschafft sie sich eine parlamentarische Mehrheit – die Anti-Krisen-Koalition. Die Posten der Ko-Vorsitzenden der Regierungskoalition teilen sich Janukowytsch und der Sprecher der Werchowna Rada und der Vorsitzende der SPU (Sozialistische Partei der Ukraine), Oleksandr Moroz.

Nach zermürbenden Verhandlungen der Mehrheit mit dem Präsidenten Juschtschenko und und der Fraktion “Nascha Ukraina” (übersetzt “Unsere Ukraine”) wird Janukowytsch am 4. August zum zweiten Mal Ministerpräsident. Nach dieser Ernennung und der Bildung des neuen Ministerkabinetts gab es alle möglichen unterschiedlichen Prognosen. Manche Experten sprachen davon, dass Janukowytsch mit seiner Regierung die beste Option und das Symbol für eine ausgewogene Politik für das Land und die Menschen unter den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ist. Andere vermuteten, dass der Ministerpräsident sich in erster Linie für die Interessen des Großkapitals und einzelner Finanz- und Industriellengruppen einsetzen wird. Und in der Außenpolitik werde er wohl die “multidirektionale Herangehensweise” des Expräsidenten Leonid Kutschma übernehmen, mit den Deklarationen über europäische und demokratische Werte und ständigem verstohlenem Blick auf den Kreml. Nach den vorgezogenen Parlamentswahlen und der neuen Koalitionsbildung vom 18. Dezember 2007 wurde er auf Grund der Ernennung von Julia Tymoschenko zur neuen Regierungschefin von der Werchowna Rada vom Posten des Ministerpräsidenten entlassen.

Krieg mit Präsident Juschtschenko. Seit seiner Rückkehr an die Macht ging Janukowytsch und die Antikrisenkoalition in die Offensive gegen den Präsident Juschtschenko und versuchte, ihm möglichst viele Vollmachten zugunsten der Regierung und des Parlaments zu entziehen. Diese Offensive war derart erfolgreich, dass der Staatsoberhaupt letztendlich gezwungen war, öffentlich über die entstandene Bedrohung für die Demokratie zu sprechen und einige Dekrete zur Beendigung der Vollmachten der Werchowna Rada sowie der Ankündigung vorgezogener Parlamentswahlen zu erlassen. Die Koalitionsparteien äußerten sich strikt dagegen und zogen sofort große Anzahl ihrer Anhänger in Kyiv zusammen.

Infolge der harten Konfrontation und einer Reihe komplizierter Verhandlungen bestimmten die Konfliktparteien den 30. September 2007 als Termin für die Wahlen. Nach den Wahlergebnissen bekam die PdR 175 Parlamentsmandate. Die Kollegen haben Janukowytsch die Leitung der parlamentarischen Fraktion anvertraut. Auch wurde er zum Chef der von PdR gebildeten Schattenregierung.

Präsidentschaft. Kräftig und munter trotz Rentenalters und ungeachtet seiner beim Tennis zugefügten Knieverletzung träumte er von Revanche an seinen politischen Gegnern. Diese Hoffnungen waren keineswegs utopisch und grundlos. Bei einer Reihe von Meinungsumfragen zur Frage “wer soll der nächste Präsident sein?” teilte er sich mit Julia Tymoschenko, der Vorsitzenden des  “Block von Julia Tymoschenko (BJuT) den ersten Platz. Dabei schnitt Janukowytsch in mehreren Umfragen deutlich besser ab. Im Jahr 2010 überholte er Tymoschenko mit 3,48 % in der zweiten Runde und gewann die Wahlen.

Nach seinem Amtsantritt überließ er Mykola Asarow den Ministerpräsidentenposten und wurde selbst Ehrenvorsitzender der PdR.

Auszeichnungen, Titeln. Janukowytsch ist Kavalier des Orden “Pour le Mérite” in drei Klassen, “verdienter Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe der Ukraine”, und erhielt viele andere staatliche, darunter auch ausländische Auszeichnungen.

Der Ehrenvorsitzende der PdR ist außerdem Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Professor – im Präsidentschaftswahlkampf von 2005 wurde der Kandidat Janukowytsch deswegen zur Zielscheibe von Spott, nachdem in seiner Autobiografie das Wort “Professor” mit zwei “f” geschrieben wurde und Dutzende andere Rechtschreibfehler im Text vorhanden waren. Er ist auch Mitglied der Akademie der Wirtschaftswissenschaften der Ukraine und Präsidiumsmitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine.

Familie, Hobby. Verheiratet, Ehefrau Ljudmyla Oleksandrivna- Hausfrau. Ältester Sohn Oleksandr – ehemaliger Zahnarzt, heute Geschäftsmann. Jungster Sohn Wiktor (geb. 1981) Mitglied der PdR und Parlamentsmitglied der Einberufungen V, VI und VII.

Unter den Hobbies von Janukowytsch sind Sport (Tennis), Jagd und Taubenzucht.

 

Übersetzung – Marina Bondas

Korrigiert – Klaus H. Walter

Quelle: http://file.liga.net/person/271-viktor-yanykovich.html

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